Entwicklerperspektiven in der europäischen Digitalisierung

Im Gespräch mit EU Kommissions- und Parlaments-Vertretern

Regulierung und Praxis müssen stärker zusammen finden

Vor kurzem war Jaron Schulz von der evodion IT GmbH gemeinsam mit der Developer Alliance zu einem Roundtable-Gespräch in Brüssel eingeladen. Im Austausch mit Vertreter:innen der Europäischen Kommission und des Europäischen Parlaments standen Themen wie Digitalisierung, Datenschutz, AI Governance, regulatorische Vereinfachungen und technische Umsetzbarkeit im Mittelpunkt.

Für uns war diese Einladung vor allem aus einem Grund besonders wertvoll:

Die Perspektive von Entwickler:innen, technischen Dienstleistern und IT-Fachleuten wird in regulatorischen Diskussionen noch zu selten frühzeitig eingebunden. Dabei sind genau diese Gruppen später dafür verantwortlich, neue Anforderungen in reale Systeme, Prozesse und Architekturen zu übersetzen.

Zwischen Gesetzestext und produktiver Software liegt Realität

In politischen und juristischen Diskussionen wird häufig über Regulierung gesprochen.

In der Praxis müssen daraus jedoch konkrete technische Prozesse entstehen.

Das betrifft unter anderem:

·     Datenschutz- und DSGVO-Umsetzungen

·     AI- und Compliance-Anforderungen

·     Datenlöschung und Anonymisierung

·     Cookie- und Consent-Management

·     Auditierbarkeit und Dokumentation

·     Sicherheits- und Infrastrukturvorgaben

Große Unternehmen verfügen häufig über umfangreiche Rechts- und Compliance-Abteilungen. Viele mittelständische Unternehmen und Entwicklungsteams hingegen tragen diese Verantwortung direkt innerhalb ihrer technischen Teams.

Das führt oft dazu, dass regulatorische Anforderungen unter hohem Zeitdruck umgesetzt werden müssen:
zwischen Feature-Entwicklung, Kundenprojekten und operativem Betrieb.

Die Folge sind häufig Lösungen, die zwar funktionieren, aber mit unter weder optimal integriert noch langfristig wartbar sind.

Das Problem ist dabei nicht zwangsläufig die Regulierung selbst.

Die eigentliche Herausforderung liegt häufig in ihrer technischen Übersetzung.

Open Source als europäische Infrastruktur

Ein wichtiger Gedanke aus den Gesprächen war deshalb:

Europa könnte regulatorische Anforderungen stärker über geförderte Open-Source-Projekte, Referenzimplementierungen und gemeinsame technische Standards begleiten.

Heute lösen tausende Unternehmen dieselben regulatorischen Probleme parallel. Oft isoliert, mit hohem Aufwand und ohne gemeinsame technische Grundlage.

Open-Source-Referenzimplementierungen könnten helfen:

·     technische Standards schneller zu etablieren

·     Kosten zu reduzieren

·     Rechtssicherheit zu verbessern

·     bessere User Experiences zu schaffen

·     Innovation nicht auszubremsen

Gerade bei wiederkehrenden Anforderungen wie Consent-Management, Auditierbarkeit, Datenportabilität, Löschkonzepten oder AI-Dokumentation liegt hier aus unserer Sicht großes Potenzial.

Nicht jedes Unternehmen sollte dieselben Basisprobleme immer wieder neu lösen müssen.

Regulierung als europäischer Wettbewerbsvorteil

Interessant war außerdem, dass sich viele Teilnehmer:innen trotz unterschiedlicher Hintergründe in einem Punkt überraschend einig waren:

Regulierung ist nicht grundsätzlich innovationsfeindlich.

Im Gegenteil: Gut gemachte Regulierung kann ein europäischer Wettbewerbsvorteil sein.

Europa besitzt die Chance, technologische Innovation mit Datenschutz, Transparenz und gesellschaftlicher Verantwortung zu verbinden. Nicht als Gegensatz zu Fortschritt, sondern als eigenes Qualitätsversprechen.

Dafür müssen regulatorische Anforderungen jedoch so gestaltet und begleitet werden, dass sie in der Praxis umsetzbar bleiben.

Gute Digitalisierung entsteht nicht dadurch, dass Politik, Recht und Technologie getrennt voneinander arbeiten.

Sie entsteht dort, wo diese Perspektiven frühzeitig zusammen kommen.

Digitale Souveränität beginnt bei einem selbst

Die Diskussionen in Brüssel waren für uns auch deshalb relevant, weil viele der dort besprochenen Herausforderungen nicht abstrakt sind. Wir erleben sie selbst im Alltag.

Als mittelständischer IT-Dienstleister mit rund 25 Jahren Unternehmensgeschichte befindet sich evodion derzeit selbst in einer strategischen Weiterentwicklung: hin zu stärkerer KI-Kompetenz, resilienteren Architekturen und mehr digitaler Souveränität.

Das bedeutet konkret auch, bestehende technologische Abhängigkeiten kritisch zu hinterfragen.

Nicht aus Ideologie. Sondern aus Verantwortung gegenüber unseren Kunden, unseren eigenen Systemen und der langfristigen technologischen Handlungsfähigkeit.

Auch wir evaluieren europäische Alternativen. Auch wir experimentieren mit lokaler KI-Infrastruktur, Open-Source-Modellen und resilienteren Architekturen. Auch wir erleben, wie anspruchsvoll solche Veränderungen in der Praxis sein können.

Gerade deshalb halten wir es für wichtig, diese Erfahrungen selbst zu machen, statt nur theoretisch darüber zu beraten.

Denn nur wer die Herausforderungen eigener Migrationen, eigener Infrastrukturentscheidungen und eigener KI-Transformationen kennt, kann Kunden später glaubwürdig und auf Augenhöhe begleiten.

Warum diese Gespräche wichtig sind

Für evodion ist der Austausch besonders relevant, da viele unserer Kunden direkt von europäischen Regulierungen betroffen sind. Dazu gehören unter anderem Unternehmen und Organisationen aus Bereichen wie:

·     kritische Infrastruktur

·     Energieversorgung

·     Gesundheitswesen

·     Finanzdienstleistungen

·     öffentliche Einrichtungen

·     technologiegetriebene Unternehmen

Deshalb halten wir es für wichtig, neue Anforderungen nicht nur umzusetzen, sondern Perspektiven aus der Praxis frühzeitig in diese Diskussionen einzubringen.

Wir bedanken uns bei der Developer Alliance für die Einladung und freuen uns auf weitere Gespräche dieser Art.

Denn gute Digitalisierung entsteht dort, wo Technologie und Regulierung miteinander sprechen, nicht aneinander vorbei.